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 Mein Hanseat 1956

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BeitragThema: Mein Hanseat 1956   Mein Hanseat 1956 EmptyDo 09 Mai 2019, 16:03

Erste Bilder von meinem 1956er Hanseaten - 459554

Hallo Leute,

offiziell war 1956 das Ende des Hanseat-Vertriebs für den deutschen Markt.
Mein Hanseat müsste also eigentlich einer der letzten sein, die noch in Deutschland für deutsche Kunden produziert wurden.
Fahrgestell-Nr. 459 554 (kennt jemand eine höhere Nummer?)

Inoffizielle Tatsache ist aber, dass jeder, der unbedingt noch einen Hanseaten haben wollte, diesen auch bekam.
Mir ist z. B. ein Hanseat Bj. 1957 in Erinnerung, der früher hin und wieder auf Treffen zu sehen war.
In Harburg wurden für den Export Hanseaten noch bis zur Verschiffung der Produktionsanlagen nach Indien produziert.

Der 1956er unterscheidet sich nicht mehr von dem "Auslaufmodell 1953". Die Technik entspricht diesem.

Als ich mir Anfang der 1980er meinen 1951er Hanseaten (447390) quasi aus der Nachbarschaft besorgt hatte (der blaue, den kennt Ihr - hier klicken), kam ziemlich schnell ein zweites Exemplar hinzu.

Es war ein Kollege, der mir erzählte, dass auf dem Grundstück seines Nachbarn so ein Wagen, unter einem Haufen Schrott und einer Plane (Gott sei dank) begraben, stehen würde.

Ich war damals natürlich sofort Feuer und Flamme!
Mein Kollege machte mit seinem Nachbarn einen Termin ab und ich fuhr mit einem Freund gespannt nach Garbsen-Havelse - natürlich mit meinem 1951er Hanseat.
Es war eine ländliche Wohnsiedlung mit größeren Grundstücken, also Siedlungshäuser der 1930er bis hin in die 1960er Jahre.

Dort wohnte damals der alte Herr Gl.
Herr Gl. war damals schon über 90 Jahre alt, machte aber einen ganz rüstigen Eindruck.
Er hatte den Tempo schon frei vom Schrott geräumt, eine große Menge an geflochtenen Bienenkörben standen um ihn herum. Eigentlich ein malerisches Bild, aber ich machte leider keines.
Ich war sofort begeistert, denn der grüne Wagen machte gar keinen so schlechten Eindruck.

Herr Gl. war Imker (i. R.).
Er brachte mit dem Tempo seine Völker von Garbsen in die Heide oder an andere Standorte. Der Honig wurde hauptsächlich auf Wochenmärkten verkauft. Dazu wurde der Tempo als Transportmittel verwendet.
Also müsste ich diesen Wagen eigentlich noch aus meiner frühesten Kindheit kennen.

Auf meine Frage, warum er sich 1956 noch einen Tempo und nicht einen moderneren Goli gekauft habe, antwortete er, dass er vorher (vor 1956) schon immer Tempo gefahren und sehr zufrieden gewesen wäre. Er wollte eben einen Tempo, keinen Goliath fahren (Anm.: Der Goli war auch eine kleine Summe teurer...).
Dieser hier stand dann auch mehr als 20 Jahre in seinen Diensten und diente sogar als PKW - bis er unter der Plane verschwand.
Das Fahrerhaus war mit einer Bosch-Heizung ausgerüstet und die Windschutzscheibe wurde elektrisch beheizt.
Ein "normaler" PKW wurde nicht angeschafft.

Neu gekauft hatte er ihn bei dem hannoverschen Hanomag-/Tempo-Händler "Reinhardt und Sebesse", der später BMW-Fahrzeuge vertrieb. Für mich also ein "Gebrauchter" aus erster Hand.

Mein Hanseat 1956 35716466hf
Originale Händler-Plakette, angebracht auf der Beifahrerseite - die Schrauben könnten gegen schönere getauscht werden


Herr Gl. wollte, dass der Wagen erhalten bleiben würde und übergab ihn mir. Wenig später holten wir ihn dann ab.

In den 1980er Jahren begann ich mit der Restaurierung, die aber aufgrund meines Umzugs in ein (ebenfalls restaurierungsbedürftiges) altes Haus Bj. 1890 nicht mehr fortgesetzt wurde. Dann kamen Beruf, Familie etc. Ich schaffte es nicht, mich noch weiter um ihn zu kümmern.

So stand er dann in der allerletzten Ecke der Garage, ganz eng an die Wand gerückt und schlief dort mehr als ein 1/4-Jahrhundert. Bis jetzt.

Heute kam er erstmals nach dieser langen Zeit wieder ins Freie und ich habe ihn erst einmal notdürftig gereinigt und untersucht.

Mein Hanseat 1956 35716469uc
Hanseat 1956 - wieder im Licht - mit hoher Bordwand


Die gute Nachricht ist: Es hat sich äußerlich nirgends wesentlicher Rost gebildet! Trotz mehr als 25 Jahre ohne Pflege.
Die schlechte Nachricht: Die Maschine bewegt sich nicht mehr.

Mein Hanseat 1956 35716467hu
Haube auf der Hochpritsche mit hoher Bordwand - dazwischen Frontscheibe mit Dichtung


Eine kleine Besonderheit ist die hohe Bordwand.
Angelehnt an diese sieht man die Frontscheibe mit Dichtung. Dahinter ist die Motorhaube zu sehen, die eigentlich nur noch von außen lackiert werden muss. Von innen ist sie bereits lackiert. Irgendwo müssen auch die schmalen Alu-Zierleisten, Tempo-Emblem und Hanseat-Schriftzug liegen.

Mein Hanseat 1956 35716465ab
Heckansicht mit ARAG-Emblem - das war von Herrn Gl. 1956 befestigt worden


Notwendige Arbeiten (was mir gerade jetzt schnell einfällt):
Prüfung, ggfs. Austausch der großen Antriebskette
Bremsleitungen ersetzen (hydraulisch), -zylinder prüfen/honen, -backen sind neu belegt
Handbremse funktionsfähig
Motor dreht nicht
Getriebe dreht
Kühlwasserschläuche ersetzen
Elektrik (Verdrahtung), keine Batterie
Anlasser aufarbeiten
Zentrallager Hinterachse erneuern (Bolzen ist neu)
Spur einstellen
Haube schleifen, lackieren (Resedagrün - RAL6011)
Schloß Fahrertür fehlt
Außenspiegel (zwei Tellerspiegel) fehlen
Scheibenwischer fehlt, Wischermotor vorhanden
Warnblinkanlage fehlt (6V)
Türschachtdichtung Fahrerseite erneuern - gibt es als Nachfertigung
Reifen für Vorderrad fehlt
Ggfs. Reifen/Felge für Ersatzrad (empfehlenswert)

Vorhanden, aber nicht eingebaut:
Zwei Scheinwerfer, einer neu, einer zum Aufarbeiten
Frontscheibe mit Dichtung
Ansauggeräuschdämpfer/-filter, funktionsfähig - für Vergaser 1/24/53 (der ist auch eingebaut)
Alu-Zierleisten für Motorhaube zum Aufarbeiten
Tempo-Emblem zum Aufarbeiten
Hanseat-Schriftzug zum Aufarbeiten
Schaltschema-Schild für Spritzwand
Scheibenwischermotor zum Aufarbeiten
2. Zündspule
Ersatzrad-Verriegelung
Elektrische Frontscheibenheizung zum Aufarbeiten

Sonstiges:
Schalter für Fahrtrichtungsanzeiger ist ein Zweikreisschalter! Damit können Winker und Blinker geschaltet werden. Ein Ein-/Ausschalter muss dazu eingebaut werden (für Warnblinkanlage!)
Winker müssen ggfs. beschafft werden.

Mein Hanseat 1956 35716468tp
Schloß fehlt - wer hat eines übrig?


Ich erinnere in diesem Zusammenhang nochmals an meine Suche nach Türschlössern.
Hat nicht doch jemand eines in einer dunklen, verstaubten Kiste liegen?

Ich werde ihn verkaufen, da ich keine Zeit für die weitere Aufarbeitung habe.

Wie Ihr bereits wisst, will ich mich nur noch um die Aufarbeitung meines Tempo Boy und des Borgward FW200 kümmern.

Da habe ich noch Arbeit genug.

Aber vorerst muss das Dach der Garage erneuert werden.


Zuletzt von AbzweigLetter am Di 28 Mai 2019, 14:22 bearbeitet; insgesamt 17-mal bearbeitet
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BeitragThema: Mein Hanseat 1956   Mein Hanseat 1956 EmptySa 11 Mai 2019, 18:44

Hallo Leute,

heute liefere ich noch zwei Fotos nach.

Der Herr Gl. hat sich möglicherweise an den VW-Pritschen orientiert und verschließbare Unterflur-Kästen eingebaut.

Mein Hanseat 1956 35730982wo
Stauraum unter der Pritsche


Oder war das gar nicht der Herr Gl.?
Gab es das häufiger?

Mein Hanseat 1956 35730983zf
Stauraum unter der Pritsche


Hat jemand von Euch auch solche Staukisten unter der Hochpritsche?

Verriegelungen habe ich leider damals ausgetauscht. Die waren früher mit normalen Vorhängeschlössern verschließbar.
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BeitragThema: Mein Hanseat 1956   Mein Hanseat 1956 EmptyMo 24 Jun 2019, 13:53

Hallo Leute,

inzwischen ist mein 56er Hanseat online und ich will hier deshalb noch ein paar Bilder zeigen...

Mein Hanseat 1956 36096479ur
Mein Hanseat 1956 36096484yy
Mein Hanseat 1956 36096486wt
Mein Hanseat 1956 36096488pc
Mein Hanseat 1956 36096489px
Mein Hanseat 1956 36096494df
Mein Hanseat 1956 36096495hd
Mein Hanseat 1956 36096497sl
Mein Hanseat 1956 36096498lu
Mein Hanseat 1956 36096499fp
Mein Hanseat 1956 36096491za
Mein Hanseat 1956 36096493xf

...falls jemand von Euch Ambitionen haben sollte...
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BeitragThema: Abschied   Mein Hanseat 1956 EmptyDi 16 Jul 2019, 02:29

Hallo Leute,

ja, nun ist er weg, der alte Imker-Wagen des Herrn Gl. aus Garbsen-Havelse, der seit den frühen 1980ern bei mir sein Zuhause hatte.

Mein Hanseat 1956 36265570xm
Mein Hanseat 1956 36265571pa

Ich hoffe, dass dies trotzdem nicht die letzten Bilder sein werden. Er soll nun komplett restauriert werden und dann für einen Dachdecker-Betrieb in der Nähe von Potsdam Arbeit finden.

Der Vater des Dachdeckers hat 1960 in der DDR seinen Handwerksbetrieb mit einem Tempo-Hanseat gegründet. Herr B. möchte nun wieder ein solches Auto fahren.

Vielleicht taucht er ja eines Tages wieder in neuer Frische auf.

Nun ist in der Garage wieder Platz für meine beiden verbliebenen Tempo- und Borgward-Dreiräder.

Die Garage wird derzeit renoviert.
Leider hat sich dies als größeres Bauvorhaben herausgestellt, da nicht nur das Dach betroffen ist.
Es hatte ja leider durchgeregnet, wodurch der Motor dieses 1956er in Mittleidenschaft gezogen wurde. Besonders ärgerlich, weil die Kurbelwelle und die Kolben neu waren und der Motor bereits wieder lief.

Demnächst mehr in diesem Kino - zu Garage, zu Tempo und Borgward.
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